Es ist bemerkenswert, daß die beiden bedeutenden Frankfurter Kunstmuseen, Städel und Schirn, in den letzten Jahren zwei große Ausstellungen zu katholisch orientierten Künstlern oder Kunstepochen organisiert haben. Von Hubert Hecker.
(kreuz.net) Die Bilderschau „Religion/Macht/Kunst“ zu der Künstlerschule „Lucasbund“ vor zwei Jahren
in der Schirn-Kunsthalle war die Einführungsausstellung des neuen Direktors Max Hollein, der inzwischen
auch das Frankfurter Städel-Museum leitet.
Die Maler der deutschen Künstlerkolonie in Rom zu Beginn
des 19. Jahrhunderts, deren Spottname ‘Nazareni’ durchaus ein ernsthaftes Programm beinhaltete, fühlten
sich dem prä-raffaelitischen Stil verpflichtet.
Dürer, Perugini, Raffael und andere Renaissance-Künstler
waren ihre Vorbilder, an denen sich die Künstler orientierten und schulten, um der Kunst neue Impulse
zu geben.
Die Nazarener waren ein Teil der romantischen Bewegung. Ihr Programm richtete sich gegen den
flachen Rationalismus und den geistlosen Relativismus der Aufklärung.
Nur die Religion könne Europa
wieder aufwecken – so der Schriftsteller Novalis, die geistliche Macht des katholischen Glaubens Frieden
und Versöhnung bringen, die biblische Religion die Künstler zu einer „wahren und ächten“ Kunst inspirieren.
Der katholische Glaube war den Künstlern Medium und Inhalt, Inspiration und Gegenstand ihres künstlerischen
Wirkens.
Zugleich waren die Nazarener nach Organisation und Autonomie, als Sezessionisten und Konzeptkünstler,
Pioniere der Moderne, schreibt Max Hollein im Ausstellungskatalog zu „Religion/Macht/Kunst“.
Diese Malerschule
hat maßgeblich auch zur Erneuerung und zum Aufschwung der Katholischen Kirche im 19. Jahrhundert beigetragen.
Das Großgemälde: „Der Triumph der Religion in den Künsten“ von Johann Friedrich Overbeck kann als
Programmbild der Künstlerschule angesehen werden.
Weitere Künstler waren Wilhelm von Schadow – Konvertit
wie Overbeck – der dreißig Jahre die bedeutende Maler-Akademie in Düsseldorf leitete.
Julius Schnorr
von Carolsfeld mit seinen Holzschnitten zur Bibel ist bis heute wohl der bekannteste Vertreter der Nazarener-Gruppe.
Vier der wichtigsten Großbilder der Nazarener-Gruppe sind inzwischen in der Eingangshalle des Frankfurter
Museums Städel positioniert.
Wenn der Museumsbesuchter in diesem Herbst an den Nazarener-Bilder vorbei
zu der aktuellen Kunstausstellung geht, dann findet er dort, bei den mittelalterlichen Kult-Künstlern
vor Raffael, den fruchtbaren Urgrund der europäischen Kunst der Neuzeit.
Unter dem Ausstellungstitel
„Kult Bild. Das Altar- und Andachtsbild von Duccio bis Perugino“ nimmt der Betrachter teil an einer rasanten
Entwicklung vom Kult-Bild zum Bild als Kunstwerk.
Die Altarbilder des frühen 13. Jahrhundert waren in
Form und Stil verwandt mit den Ikonenwänden der byzantinischen Kirche.
An verschiedenen Altarbildern
aus Siena zum Beispiel zeigt die Ausstellung die Bild-Entwicklung von der majestätischen Himmelskönigin
hin zu einer ‘menschlichen’ Muttergottes, die der damals neuen Devotio moderna entgegenkam.
Die in der
Ausstellung gezeigten Andachtsbilder als Miniaturen der Altarbilder waren historisch Ergebnis dieser persönlichen
Frömmigkeitsform.
Gleichzeitig geht die Entwicklung hin zu einer komplexen Bilderzählung: die Geschichten
der Märtyrer und Kirchenheiligen, insbesondere aber die biblische Heilsgeschichte von Adam bis Christus,
von der Geburt des Heilands bis zur Auferstehung.
Dieses Bildprogramm machte das aus vielen Tafeln zusammengesetzte
Altarbild der Spätgotik notwendig.
Dabei waren alle einzelnen Tafeln und Themen in kunstvoller Weise
auf das Altar-Mittelbild konzentriert, welches das Heilige Meßopfer auf dem Altartisch verdeutlichen
sowie auf den biblischen Ursprung zurückverweisen sollte.
Andererseits boten die biblischen und legendarischen
Bilderzählungen Gelegenheit zu einer immer detailreicheren Ausschmückung.
Insofern bildeten die spätgotischen
Altarbilder gewissermaßen das Frühbeet, aus dem sich die profanen Kunstgattungen der europäischen Portrait-,
Stilleben-, Landschafts- und Genremalerei der Neuzeit entwickelten.
Die Ausstellung „Kult Bild. Das Altar-
und Andachtsbild von Duccio bis Perugino“ im Frankfurter Kunstmuseum Städel ist noch bis zum 22. Oktober
zu besichtigen.
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2 Lesermeinungen
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Sakrale Kunst Danke für diesen Bericht und die kleine Einführung in Sakrale Kunst. Es gibt auch heutzutage
viele Traditionelle Künstler welche wirklich wundervolle sakrale kunst zaubern . Der Modernismus hat
sich sowieso überall eingeschlichen. Egal wo man hinnschaut. Keine Ausnahme
#1 Athanasius 19:44:34 | Donnerstag, 19. Oktober 2006
Schön In der Tat schön. Viele nichtkatholische Künstler die ich sprechen durften, beklagten sich mir
gegenüber, dass die sakrale Kunst nach etwa 1960 völlig ausgestorben sei oder oft nur noch als „chaotische
Kunst“ angesehen wurde, die zwar in einem sekulärem Milieu passen könnte (so die Künstler), aber doch
nicht in einem Sakralbau. Der Grund für diesen Verfall: Bugnini-Carnaval.